Wann wird es endlich wieder wie vorher?

Ich hoffe sehr, dass du immer wieder in deine Präsenz kommst, Vertrauen spürst und fest gegründet in den vier Edlen Wahrheiten durch diese besondere Zeit navigieren kannst. Es spricht sich langsam rum: wir werden nicht mehr dahin zurückkehren, wie es vorher war.  Auch vorher konnten wir das nicht. Nur jetzt wird uns das bewusst. Teilweise sogar schmerzlich. Wir sind herausgefordert, die Ungewissheiten des Lebens als etwas Selbstverständliches anzunehmen und uns mutig in das hineinzuwagen, was nicht kontrollierbar und vorhersehbar ist. Das bedeutet vor allem, unsere festen Meinungen und Ansichten über das, wie etwas sein soll, hinter uns zu lassen, unsere Projektionen auf andere zu uns zurückzunehmen und uns in der geistigen Haltung des Nicht-Wissens zu üben. Besser gesagt: uns der geistigen Qualität des Nicht-Wissens hinzugeben. Dann erfahren wir ein Paradoxon. Durch die Offenheit des Nicht-Wissens fallen wir nicht der Ohnmacht anheim, sondern gewinnen Energie, geistige Flexibilität und Klarheit.

Viele von uns – individuell als auch kollektiv – befinden sich inmitten eines kleineren oder größeren Veränderungsprozesses. Vielleicht auch du! Ganz gleich, ob sich das in deinen Beziehungen, deinem Berufsleben oder Engagement zeigt; sich auf deine körperliche oder materielle Existenz bezieht. Was immer sich in deinem Leben verändern möchte bzw. bereits verändert, du kannst den Wandel nicht aufhalten, aber an und mit ihm Reifen. Dazu gehört, dass du es mit dem inneren Widerstand aufnimmst, der sich jeder tiefgreifenden Veränderung beimengt. Dir wird mulmig zumute, es entsteht Angst, vielleicht sogar Panik. Die Kunst besteht nun darin, dieser Angst nicht auszuweichen, dich nicht zu identifizieren und mittels deiner meditativ-kontemplativen Praxis das Bewusstsein weit, klar und feinfühlig werden zu lassen. So darf Angst sich zeigen, ohne dich zu überwältigen. Sie ist dann in dieser Bewusstheit und Klarheit aufgehoben, verändert sich und löst sich auf…und etwas Neues erscheint. Was das sein wird, wissen wir jetzt noch nicht.

Der dritte Vortrag des Oster-Retreats 2020 hat in seiner Aktualität nichts eingebüßt. Wir sind weiter aufgefordert der Unsicherheit und Angst zu begegnen und Ungewissheit als natürliche Begleiterscheinung des Lebens wahr- und anzunehmen. 

Vielleicht magst du im Kommentar mit uns teilen, was sich in dir und in deinem Leben zurzeit verändert. Was dich herausfordert. Welchen Ungewissheiten du gerade begegnest, wie deine Angst dich begleitet, aber nicht verhindern kann, dass du deine Schritte tust. Immer den, der gerade möglich ist. Und vielleicht ist das, was sich da verändern möchte, noch ganz vage und du kannst noch gar nicht sagen, um was es da genau geht. Aber du spürst diese Spannung und Bewegung in dir. Ich freue mich darauf, wenn wir in dieser Weise Anteil nehmen dürfen und uns austauschen.

Ungewissheit und Angst begegnen können. Online-Oster-Retreat 2020 – Video-Vortrag

2 Kommentare zu „Wann wird es endlich wieder wie vorher?“

  1. Liebe Sylvia,

    danke für Deine wunrderbaren Vorträge, die Du in den Blog gestellt hast. Obwohl es jetzt schon einige Zeit her ist, seit Du den Retreat gegeben hast, sind Deine Worte so treffend wie da, wo Du sie formuliert hast.
    Für mich hat sich in dieser Zeit schon einiges verlagert. Dadurch, daß viele Aktivitäten nicht mehr möglich sind, sind die möglichen Kontatkte viel wertvoller geworden. Auch die Zeit, die mir zur Meditation zur Verfügung steht ist mehr geworden. Mit einer Freundin aus der Zen Gruppe, kann ich weiter gemeinsam meditieren, was mich sehr freut. Gleichzeitig merke ich, wie sehr mir auch das Zusammensein mit einer Gruppe fehlt. Das läßt sich auch nicht durch Online-Angebote ersetzen.

    Liebe Grüße

    Gabi

    1. Liebe Gabi,

      Ich denke du sprichst vielen von uns , aus dem Herzen. Manchmal wird uns erst richtig bewusst, was in unserem Leben kostbar ist, wenn wir es eine Weile entbehren. Gerade auch bei Dingen, die uns selbstverständlich erscheinen, wie das Zusammensein mit Freund*innen, das gemeinsame Meditieren, die Umarmungen und überhaupt körperliche Nähe. So hoffen wir, dass es bald wieder mehr physische Nähe geben darf! Danke!

      Sylvia

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